Unsere Geschichte

Die erste urkundliche Erwähnung datiert zurück auf das Jahr 1856, welches somit als das offizielle Gründungsjahr anzusehen ist. Damals unternahmen Kaiser Franz Josef I. und seine Frau eine Reise zum Großglockner, um den Pasterzengletscher zu besichtigen. Auf dem Weg nach Heiligenblut machten sie dabei Station in Winklern und wurden gemeinsam mit Vertretern von k. u. k. Bezirksbeamten, der Geistlichkeit, dem Gemeindevorstand und der Schuljugend vor der Triumphpforte von einer Sechs-Mann "Musikbanda" begrüßt.



Musikbanda aus der Gründungszeit:
Franz Thaler, äußerer Steiner am Stein; Franz Tomani, Besitzer der Messner-Hube;
Johann Ponholzer, vlg. Fuchs in Namlach; Unbekannt; Josef Ladstätter, beim oberen Gangl;
Johann Liebhart, vlg. Beloger in Namlach (von links nach rechts)


Die Musikbanda erfreute sich zusehends an Beliebtheit und konnte so im Jahre 1890
bereits auf 13 Mitglieder, unter der Leitung von Franz Liebhart, vlg. Thala, Lobersberg, verweisen.


Musikbanda um 1890


Zeitweise trat die Kapelle in den Uniformen der Feuerwehr auf, sodass es nicht verwundert, dass im Jahr 1900 die seinerzeitigen Instrumente auch teilweise von der Feuerwehrkamaradschaft angekauft wurden. Darüber hinaus standen schon damals - übrigens genauso wie heute - mehrere Musikkameraden auch bei der Feuerwehr im Dienst.
Rasch entwickelte sich die Kapelle zum Mitgestalter diverser Veranstaltungen und Feierlichkeiten - sowohl im kirchlichen als auch im weltlichen Bereich. So wurden beispielsweise die Feierlichkeiten zur Eröffnung des Tauerntunnels der k. u. k. Eisenbahn in Mallnitz, im Jahre 1909, u.a. auch von der Musikkapelle Winklern mitgestaltet.
1913 nahm die Kapelle am 40-jährigen Bestandsjubiläum der freiwilligen Feuerwehr Winklern, deren Gründung im Jahre 1873 erfolgte, teil.



Kameraden der jubelierenden Feuerwehr und unserer Muskikkapelle im Jahr 1913

Mit dem Ausbruch des ersten Weltkrieges 1914 und in den anhaltenden Kriegswirren bis 1918 wurden viele Musiker an die Front beordert, sodass die musikalischen Aktivitäten beinahe zum Erliegen kamen. Dem beispielgebenden Engagement der wenigen in die Heimat zurückgekehrten Kameraden ist es schließlich zu verdanken, dass trotz der schwierigen Umstände ein neuerlicher Aufbau des Vereins stattfand. Der Musiker Franz Zwischenberger, vlg. äußere Bodner in Winklern, hat zum damaligen Aufbau und Bestehen durch seine Mitwirkung und Förderung wesentlich beigetragen, verstarb jedoch 1930 im Alter von 44 Jahren.
Im selben Jahr nahm Johann Liebhart, vlg. Thala Lobersberg, die Geschicke des Kapellmeisters in die Hand und nützte den entfachten Idealismus um gemeinsam mit seinen junge Kameraden die Musikkapelle Winklern wieder zu einem beachtlichen Klangkörper aufzubauen. 1933 wurde er von Franz Seber, vlg. Eder in Namlach, in seiner Tätigkeit abgelöst. In seine Zeit fiel auch der Ausbruch des zweiten Weltkrieges, in dessen Wirren abermals ein Großteil der Musiker in den Wehrdienst einberufen wurde. Weil viele von ihnen leider nicht mehr heimkehrten, musste die Musikkapelle für zwei Jahre aufgelöst werden. Bald schon nach Kriegsende begann sie sich wieder auf Initiative des Kapellmeisters Franz Seber zu formieren wobei insbesondere junge Musiker gewonnen werden konnten. Um dem selbst auferlegten Motto "Freude am Spiel - einig zum Ziel" auch vom äußeren Erscheinungsbild her zu entsprechen, erhielt die Kapelle im Jahre 1952 eine einheitliche Tracht, welche am Pfingsmontag des gleichen Jahres feierlich eingeweiht wurde.



Kapelle 1952


1960 übernahm Franz Schrall, vlg. Lindler in Lassach, die Aufgabe des Kapellmeisters. Unter seiner Leitung hatte die Kapelle im Jahre 1958 (zwei Jahre nach dem eigentlichen Festtag) das 100-jährige Bestandsjubiläum gefeiert. Ihm folgte Alois Wallensteiner, vlg. Giggerle in Reintal, dem es auch gelang, eine große Schar an Jungmusikern zum Spiel heranzuführen.



Kapelle 1964

Unter der seit 1966 übertragenen musikalischen Leitung von Kapellmeister Johann Fercher, vlg. Oblasser in Reintal, führte unsere Kapelle die erste Auslandsreise nach Hänigsen/Burgdorf (bei Hannover) durch.

Die 1970er Jahre wurden überdies durch zwei wesentliche infrastrukturelle Maßnahmen geprägt, welche ohne den Fleiß jedes einzelnen Musikers wohl nicht möglich gewesen wären. So erfolgte einerseits der Aufbau einer eigenen Festwiese, welche für viele Jahre als gelungener Veranstaltungsort - nicht nur für unseren Verein - diente. Andererseits wurde von der Gemeindevertretung, welche unserem Verein schon damals immer hilfreich zur Seite stand, im Amtsgebäude ein Proberaum zur Verfügung gestellt und von den Musikern entsprechend adaptiert. Das bis dahin ständige Wechseln des Probelokals war somit zur vollsten Zufriedenheit aller Musiker gelöst.

1978 übernahm Hubert Schwab die Leitung der Kapelle. Durch seine Tätigkeit als Lehrer, wird das Interesse zur Musik schon bei den Jüngsten gefördert. Darüber hinaus widmen sich nach wie vor auch erfahrene Vereinsmitglieder wie Josef Wallensteiner, Johann Fercher und Anton Oberreiner der Jugendausbildung. Insbesondere in den späten siebziger sowie frühen achtziger Jahren wuchs die Zahl der Musiker - und mittlerweilen auch Musikerinnen - nicht zuletzt daher beträchtlich an.
Allerdings konnte nur auf einen Teil der Mitglieder uneingeschränkt zurückgegriffen werden, da es auch anderwertigen Verpflichtungen nachzukommen galt. So hielt sich beispielsweise aufgrund auswärtiger Berufsausübung bzw. Schulausbildung, sowie dem Engagement in anderwertigen (Tanz)Musikformationen die Zahl der tatsächlich zur Verfügung stehenden Personen häufig in Grenzen. Einige MusikerInnen verließen folglich zum Teil nach relativ kurzer Zeit unseren Verein wieder - aufgrund der geographischen bzw. wirtschaftlichen Lage unserer Heimat leider keine kurzzeitige Erscheinung.
Anton Oberreiner, Kapellmeister von 1984-1986 und bewandert auf zahlreichen Instrumenten, stellte sein musikalisches Talent unter Beweis, indem er von sich aus den klangvollen Marsch "Gruß aus Winklern", welcher anlässlich des 125-Jahr Jubelfestes im Juli 1983 (wiederum zwei Jahre nach dem eigentlichen Jubiläumsjahr) zur Uraufführung gelang, komponierte. Dieser Marsch bildet seither einen Fixpunkt in unserem musikalischen Repertoire.

 



Kapelle beim 125-jährigen Jubiläum 1983

                                                                          
                                                                                                                                                              

1986 übernimmt der als Hauptschullehrer nach Kärnten übersiedelte Steirer Otmar Pirker die musikalische Leitung. Da er jedoch in Stall im Mölltal wohnhaft ist, gibt er diese Funktion Anfang 1990 wieder ab und wechselt zur TK Stall, wo er auch später zum Kapellmeister avanciert. Ihm folgt wiederum Hubert Schwab, mittlerweile Volksschuldirektor in Mörtschach.

Von der stetig gestiegenen Zahl von Konzertreisen seien vor allem jene zu unseren Partnern nach Norddeutschland (Hänigsen/Burgdorf) sowie nach Winklarn/Niederösterreich hervorzuheben. Darüber hinaus fand im Jahr 1992 eine seitens unserer Marktgemeinde veranstaltete Werbefahrt nach Eupen/Belgien statt, die wesentlich auch durch unser Mitwirken sehr erfolgreich verlief.
Durch die Gründung der Musikschule "Oberes Mölltal" nutzen fortan zahlreiche Jugendliche die Möglichkeit, eine solide musikalische Ausbildung zu erlangen und werden dabei seit Beginn an finanziell von unserem Verein unterstützt.

So konnte nicht nur der Abgang an Mitgliedern kompensiert werden, sondern als ganz wesentlicher Aspekt wurde (und wird nach wie vor) die "reibungslose" Integration der Jungmusiker in unsere Gemeinschaft betrieben. Lezteres wird neben den Konzertreisen sowie den regelmäßig durchgeführten Ausflügen an denen auch die Ehe- bzw. Lebenspartner der MusikerInnen teilnehmen (u.a. nach Kroatien, Südtirol, Bayern) insbesondere durch die umsichtige Vereinsführung gefördert.
In diesem Zusammenhang sei auch auf die mehrjährige Mitgliedschaft unseres musikalischen Dorfpfarrers Mag. Ernst Windbichler verwiesen, welcher es nebenbei als Moderator bei diversen Veranstaltungen (z.B. Jahresabschlusskonzert) auch noch hervorragend verstand, weltliche Anekdoten mit klerikaler Rhethorik zu vereinen und damit die Anwesenden in "himmlische" Laune zu versetzen. Der Kontakt zu ihm wird seit seiner Berufung nach Annabichl/Klagenfurt im Jahr 2000 nach wie vor gepflegt (zuletzt 2003 beim Pfarrfest in Annablichl bei dem wir die Messe musikalisch umrahmen durften und anschließend ein Konzert zum Besten gaben).
Basierend auf die Ausbildung durch die Musikschule und die weitere Unterstützung durch unseren Verein, nahmen zusehends mehr MusikerInnen an Wertungsspielen teil und erreichten dabei teilweise sogar die höchsten Auszeichnungen.
Einer dieser Musiker ist Johannes Fercher, der den Präsenzdienst bei der Militärmusik Kärnten absolvierte (gemeinsam mit Johannes Zirknitzer) und nebenbei die Kapellmeisterausbildung erlangte. Im November 2003 übergab ihm Dir. Hubert Schwab beim mittlerweile zur Tradition gewordenen Jahresabschlusskonzert den Taktstock. Somit bekam unser Verein einen der jüngsten Kapellmeister des Landes. Hubert Schwab hingegen wurde für sein langjähriges und erfolgreiches Engagement als Musiker bzw. Kapellmeister vom Land Kärnten mit einer hohen Auszeichnung bedacht.

Die Eröffnung der Landesausstellung "Kärnten wasser.reich" Ende Mai 2004 wird auch von unserem Verein maßgeblich mitgestaltet. Dabei seien vor allem der von Radio Osttirol übertragene Live-Frühschoppen und die mit der Landesausstellung einhergehende mediale Berichterstattung zu erwähnen.
Zum großartigen Erlebnis für alle MusikerInnen nur eine Woche später wurde die Teilnahme am
"25. Österreichischen Blasmusikfest in Wien" als einer der drei Vertreter Kärntens. Neben der erfolgreichen Marschmusikbewertung im Ehrenhof von Schloss Schönbrunn sollte der Marsch vom Heldenplatz über die prächtige Ringstraße zum beeindruckenden Wiener Rathaus mit anschließendem Monsterkonzert wohl von bleibender Erinnerung sein.




Kapelle 2005


Im Jahre 2006 feierte die Trachtenkapelle Winklern ihren 150. Geburtstag mit einem großen Zeltfest sowie der Nachstellung des Kaiserbesuchs anno 1856.
Es waren zahlreiche Gastkapellen geladen, viele Akteure gaben ihr Bestes und die Besucher waren alle sehr begeistert vom ganzen 3-tägigem-Festprogramm.



2007 wurden wieder zahlreiche Ehrungen vorgenommen. Die Brüder Franz und Paul Lackner wurden zusammen für 98 Jahre Mitgliedschaft geehrt. Franz fegte 50 Jahre als Bassist in den hinteren Reihen und erhielt vom Kärntner Blasmusikverband das Verdienstabzeichen in Gold. Ebenso sein Bruder Paul war 48 Jahre mit voll Energie und Freude beim Verein. Für 25 Jahre wurde Manfred Liebhart vom KBV ausgezeichnet.


v.l.: Paul und Franz Lackner

Flügelhornist Werner Hauser konnte 2007 seinen Präsenzdienst bei der Militärmusik Kärnten erfolgreich absolvieren. Die Kapelle ist sehr stolz auf den nun schon dritten Musiker, der sich bei der Militärmusik Kärnten unter Beweis gestellt hat.

Die Jugendarbeit unseren Reihen kommt natürlich nicht zu kurz. In den letzten Jahren wurde die Kapelle stark verjüngt, da zahlreiche Jugendliche dem Verein beigetreten sind. In der Musikschule werden sie sehr gefördert und gefordert. Zahlreiche talentierte Musikerinnen und Musiker stellen sich daher jedes Jahr den diversen Wertungsspielen und erzielen durch die Bank Erfolge die sich sehen und hören lassen.
Der Kapellmeister Johannes Fercher ist auf die Leistungen immer sehr stolz und sein alljährliches Herbstkonzertprogramm richtet sich natürlich auch an die Jugend. So ensteht ein anspruchsvoller Mix aus traditioneller und moderner Blasmusik.


2008 war ein besonderes Highlight für die Trachtenkapelle Winklern - sie präsentierte das "Tauernwurm Musical".
Das Musical erzählt in dreizehn Szenen das Märchen vom Tauernwurm, der seine Mölltaler Heimat verlässt, in China, Amerika, Australien und Venedig allerhand Abenteuer erlebt und schließlich wieder zurückkehrt und fortan im Mautturm lebt.
Kapellmeister Johannes Fercher hatte über 90 AkteurInnen unter seinem Taktstock. Die Stimmung im Publikum und bei den AkteurInnen war überwältigend.

Der alljährliche Kirchtag in Reintal wurde 2008 auch ganz groß gefeiert. Gekopelt mit dem Radwandertag und einem Radio-Kärnten-Live-Frühschoppen wurde die Veranstaltung zu einem unvergesslichen Erlebnis.